Ein Biotopverbund ist dann gegeben, wenn ein funktionaler Kontakt zwischen Biotopen (Lebensräumen) besteht, der ökologische Wechselbeziehungen zwischen Populationen von Organismen erhält, optimiert, wiederherstellt und nachhaltig sichert.

Grundlage ist eine dauerhafte Sicherung der Populationen wildlebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften in den Kernlebensräumen.

Das von MOBIL erarbeitete Konzept zur Schaffung eines kohärenten ökologischen Netzwerks für Offenland- und Waldlebensräume soll als eine mittel- bis langfristige Orientierungshilfe für Kommunen, Landkreise und Vorhabensträger für den Biotopverbund dienen. Das Markgräflerland wurde aufgrund seiner besonderen Lage zwischen Rhein und Schwarzwald, seiner hohen ökologischen Vielfalt sowie der intensiven infrastrukturellen Inanspruchnahme dieser Kulturlandschaft durch den Menschen als Modellregion gewählt. Als Grundlage dient der in der Naturschutzstrategie Baden-Württemberg verankerte Generalwildwegeplan (GWP) als Teil des landesweiten Biotopverbunds unter besonderer Berücksichtigung der Ziele der Waldnaturschutzkonzeption von ForstBW. Als regionalspezifische Tierarten sind unter anderem die Wildkatze und verschiedene Fledermaus- und Niederwildarten (beispielsweise das Rebhuhn) hervorzuheben. Durch Entwicklung von Lebensräumen und eines Populationsverbundes soll die Artenvielfalt gemeinsam von Forst- und Naturschutzverwaltung langfristig erhalten und gefördert werden.

 

 

Gesetzliche Grundlagen

BNatSchG Abschnitt 1

Biotopverbund und Biotopvernetzung; geschützte Teile von Natur und Landschaft        

§ 20 Allgemeine Grundsätze (Absatz 1-3)

(1) Es wird ein Netz verbundener Biotope (Biotopverbund) geschaffen, das mindestens 10 Prozent der Fläche eines jeden Landes umfassen soll.   

§ 21 Biotopverbund, Biotopvernetzung (Absatz 1-6)   

(1) Der Biotopverbund dient der dauerhaften Sicherung der Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen. Er soll auch zur Verbesserung des Zusammenhangs des Netzes „Natura 2000" beitragen.          

Planerische Grundlagen

Fachplan Landesweiter Biotopverbund

Ziel des landesweiten Biotopverbunds ist es daher - neben der nachhaltigen Sicherung heimischer Arten, Artengemeinschaften und ihrer Lebensräume - funktionsfähige, ökologische Wechselbeziehungen in der Landschaft zu bewahren, wieder herzustellen und zu entwickeln. Der Biotopverbund gewährleistet in unseren stark zersiedelten und zerschnittenen Landschaften den genetischen Austausch zwischen den Populationen und ermöglicht Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse. Diese sind auch im Hinblick auf die durch den Klimawandel hervorgerufenen Arealverschiebungen bei einer Reihe von Arten von besonderer Bedeutung. 

Der Fachplan Landesweiter Biotopverbund bezieht sich schwerpunktmäßig auf das Offenland. Fließgewässer sind nicht berücksichtigt. Für den Verbund von Waldflächen wurde die abgeschlossene Fachplanung des Generalwildwegeplans Baden-Württemberg in das Konzept für den landesweiten Biotopverbund übernommen. Bei der Konzeption werden drei Ebenen zur räumlichen Steuerung von Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung von Lebensraumkorridoren und zum Biotopverbund unterschieden: die landesweiten Suchräume einschließlich der Kernflächen, großräumige Verbundachsen im Offenland und die Wildtierkorridore des Generalwildwegeplans Baden-Württemberg.

Die Kartendarstellungen zum Biotopverbund finden Sie im: 
Daten- und Kartendienst der LUBW 

Basierend auf landesweit verfügbare Daten bietet der landesweite Biotopverbund Verbundkulissen für Offenland und den Generalwildwegeplan.

Verbundkulisse für Offenland

• Mittlere, trockene und feuchte Standorte

• Kernflächen und Kernräume (200 m)

• Suchräume  Stufe I mit Distanz 500 m, 
                       Stufe II mit Distanz 1000 m

Für Baden-Württemberg wurden von der LUBW Kernräume und Suchräume für die Anspruchstypen erarbeitet. Nachfolgend die Übersichtskarten für die Anspruchstypen trockene, mittlere und feuchte Standorte. 

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 Für den Ausschnitt um Müllheim und Neuenburg sind folgende Angaben vorhanden:

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Generalwildwegeplan

Der Generalwildwegeplan (GWP) ist eine eigenständige ökologische, in erster Linie waldbezogene Fachplanung des Landes für einen landesweiten Biotopverbund und ist integrativer Bestandteil eines nationalen bzw. internationalen ökologischen Netzwerks von Wildtierkorridoren. Der GWP zeigt die teilweise letzten verbliebenen Möglichkeiten eines großräumigen Verbundes in der bereits weiträumig stark fragmentierten Kulturlandschaft Baden-Württembergs auf.

Er ersetzt nicht den lokalen oder regionalen Biotopverbund, sondern stellt vielmehr eine unverzichtbare Grundlage auf der Landschaftsebene dar. Der GWP weist Flächen eine neue, zusätzliche Funktion zu. Die räumliche Kulisse orientiert sich dabei sowohl an der aktuellen landschaftlichen Ausstattung, als auch an den Raumansprüchen und Wanderdistanzen mobiler heimischer Säugerarten mit terrestrischer Lebensweise und einem Lebensraumschwerpunkt im Wald. Ziel ist es aber, vielen Arten, vom Wirbellosen bis zum Großsäuger Chancen als Individuum oder in einer Generationenfolge für eine Ausbreitung, Wiederbesiedlung oder aber Anpassungen an sich verlagernde Lebensräume durch den Klimawandel zu ermöglichen. Neben Kleintieren können auch Pflanzen vom Vektortransport durch andere Tierarten profitieren. Die einzelnen Korridore sind daher nach einer ersten, auf Wald bezogene Modellierung, in einem weiteren Schritt hinsichtlich ihrer Eignung auch für Anspruchstypen des Offenlandes für trockene, mittlere und feuchte Standorte geprüft worden. Damit soll einerseits die Multifunktionalität dieser Korridore herausgestellt werden, andererseits dienen sie als Hinweis zur Beachtung der Kompatibilität der verschiedenen Anspruchstypen im Falle einer Maßnahmenplanung. Damit stellt der GWP ein elementares Instrument zur Sicherung und Entwicklung der Biodiversität durch den Erhalt von Metapopulationen dar. Die Umsetzung des GWP bedarf einer langfristigen Sicherung der benötigten Flächen vor weiterer Fragmentierung oder Flächenverlust, wozu eine Berücksichtigung des GWP vor allem in der Verkehrsplanung, der Regionalplanung und in nachgeordneten Planungen wie der Eingriffsplanung erforderlich ist. Ohne eine Berücksichtigung des GWP wird bei einem Anhalten der gegenwärtigen Entwicklungen die Isolation vorhandener größerer Kernlebensräume in Baden-Württemberg stark zunehmen.

Seit Sommer 2015 ist der Generalwildwegeplan auch im Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) verankert (§ 22). Dieser Paragraph ist eine Ergänzung zum § 21 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG), welcher die einzelnen Länder zur Umsetzung des Biotopverbundes auf Länderebene zur gegenseitigen Absprache auffordert. So haben alle öffentlichen Planungsträger bei ihren Planungen und Maßnahmen die Belange des Biotopverbund zu berücksichtigen. Dies bezieht sich speziell auf den Fachplan Landesweiter Biotopverbund einschließlich des Generalwildwegeplans. Dabei sollen die im Fachplan dargestellten Biotopverbundelemente durch Biotopgestaltungsmaßnahmen und durch Kompensationsmaßnahmen so miteingebunden werden, dass die Ziele des Biotopverbunds gestärkt werden. Die planungsrechtliche Sicherung soll ebenfalls über die Regionalpläne und die Flächennutzungspläne erfolgen.

Ergänzend ist der Generalwildwegeplan im § 46 des novellierten Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes (JWMG) 2015 verankert. Der GWP soll auf bestehende Barrieren und wichtige vernetzte Lebensräume hinweisen, damit diese im Sinne der Vernetzung gefördert und entschärft werden können. Öffentliche Stellen müssen bei raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen die festgelegten Korridore des Generalwildwegeplans im Rahmen der fachgesetzlichen Abwägungssystematik berücksichtigen.

Karte: Generalwildwegeplan (grüne Linien) und landesweiter Biotopverbund im Projektgebiet 

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